Als Frau bei einer Domina

ich habe relativ lange darüber nachgedacht, ob ich in der Öffentlichkeit meine persönlichen Erfahrungen breittreten will. Es wirkt ja doch einigermaßen anbiedernd und Velvet Steel hat meine Bauchpinselei auch nicht nötig. Und andererseits denke ich auch, „Ok, da draußen gibt es vielleicht auch andere Mädels, die sich gerne einmal in professionelle Hände begeben würden“. Und es ist nicht immer leicht für Frau, auf der Anbieterseite etwas den eigenen Neigungen Entsprechendes zu finden.

 

Klar, als Kundin muss man in dieser Branche akzeptieren, dass der Großteil der Dienstleister(innen) nicht auf Frauen ausgelegt ist. Ist ja auch ok. Deswegen heule ich nicht rum. Aber wenn ich in den renommierten Studios deutscher anrufe und nach einer Flag-Session für eine Frau frage, bricht oft die große Ratlosigkeit aus. Nachdem dann die ersten peinlichen Sekunden überwunden wurden, kommt die Auskunft, dass Herrin XYZ auch  ‚mit Frauen macht‘. Es tut mir leid, aber für ‚was mit Frauen machen‘ lege ich keine 400 oder 500 Euro auf den Tisch.

 

Ausschlaggebend war für war mich am Ende die Tatsache, dass Velvet auf ihrer Homepage benannt hat, dass sie mit Frauen spielt. Das klingt simpel, aber nach einigen Erfahrungen ist für mich eben klar, dass ich kein Geld dafür hinlege, damit eine Dame sich darin ausprobiert mit einer Frau zu spielen. Im privaten Bereich habe ich damit keine Probleme, aber man muss die Erwartungsebenen differenzieren.

 

Insgesamt hatte ich mich erst nach einigem Zögern, verschiedener persönlicher Empfehlungen und einem ausgedehnten Stalking aller verfügbaren Webseiten dazu entschlossen, bei Velvet einen Termin auszumachen. Mittlerweile hat es eine Reihe von Sessions gegeben, aber ich will in erster Linie von diesem anfänglichen Erlebnissen berichten, weil der erste Eindruck eben immer auch der Entscheidende ist. Gerade aus diesem Grund hatte ich die Zähne geputzt, die Locken gekämmt und hatte locker 20 Minuten im Auto gesessen. Ihr kennt das! Lieber sinnlos im Auto warten, als zu spät zu kommen: „Äh ja, sorry, da war voll der Stau.“ Man, das klingt echt mega lahm.

Ich sitze dann also pünktlich zum Vorgespräch auf dem unbequemsten Stuhl, den die Welt je gesehen hat. (Wer das Studio LUX in Berlin kennt: gemeint ist der Holzstuhl im Raum im Obergeschoss.) Da ich kein Mann bin, kann ich auch nicht beschreiben, was sie anhatte. 😉  Von keiner unserer Sessions könnte ich bis dato beschreiben, was Velvet trug, weil es mir schlicht egal war. Viel mehr bin ich stets davon elektrisiert, wie sie wirkt. Sie hat diese entspannte Arroganz, diese Freundlichkeit, die doch eine Spur von Herablassung in sich trägt, diese Lässigkeit, die Stärke erahnen lässt. Das hat sofort dazu geführt, dass ich gespannt auf der Unterlippe kaute. Denn ich halte mich selbst für stark, lässig und arrogant. Und mich triggern nur Männer und Frauen, die noch stärker, lässiger und arroganter sind.

 

Was ich wollte, war simpel: eine Flag-Session. Um einen gemeinsamen Startpunkt zu haben, hatte ich mein alter ego, die Katze, erwähnt. Die Katze habe ich vor Jahren für mich entdeckt. Gar nicht weil ich das Pet-Play so sehr schätzen würde, sondern weil mir die entsprechenden Charakterzüge gefallen: renitent, selbstbewusst, provokant, aber auch verschmust und im Notfall sogar gehorsam. Die Rolle der Katze birgt viele Möglichkeiten. Velvet griff den Brocken, den ich ihr hingeworfen hatte, so kreativ auf, dass es mir die Sprache verschlug. Und das muss man erstmal schaffen!

 

Mit wenigen Sätzen hatte Velvet aus der Katze eine Zirkuskatze gemacht, die von ihrer Dompteuse zur Abstrafung geschickt worden ist. Das war ein Rollenspiel, an das ich in all der Zeit nie gedacht hatte. Zum Thema Rollenspiele muss ich vielleicht ein bisschen ausholen: als ich jung und naiv war, war meine Passion zum Schmerz für mich kaum verständlich. Ich hielt das für krank. Als ich dann die BDSM-Szene entdeckte, waren Rollenspiele sehr geeignet, um sich spielerisch an den Schmerz anzunähern. Mit 25 fühlte ich mich dann zu erwachsen für Rollenspiele, meinte mit Alkohol vernünftig umgehen zu können und dachte ernsthaft, ich würde im kommenden Semester alle Vorlesungen nacharbeiten. Das waren alles Fehleinschätzungen.

 

Fünf Jahre später kann ich kaum noch nachvollziehen, warum ich so eine Aversion gegen Rollenspiele aufbaute. Masochisten, die durch den Schmerz eine Form von Erfüllung finden, brauchen eigentlich nicht die Rolle des Schülers, des Sklaven oder eben der Zirkuskatze einzunehmen. Viele Flag-Freunde kommen bestimmt mal an den Punkt, wo sie sagen, „Quatsch mich nicht voll, Domina, sondern mach mich am Kreuz fest und knebel mich!“Aber auf der anderen Seite steht ein Einfaches: Warum denn nicht mit Rollenspiel spielen? Denn die Flag-Session ohne Spiel ist bloße Flagellation, die Flag-Session mit Spiel eröffnet diverse Optionen.

 

Na, jedenfalls war ich aber zu dem damaligen Zeitpunkt sehr darauf fixiert, dass ich eigentlich nur eine einfache Tracht Prügel wollte. Mein Punkt und der eigentliche Grund, warum ich den ganzen Kram aufschreibe, ist, dass Velvet Steel daraus ein ganzes Feuerwerk zauberte. Noch mal plump: ich hätte die Session auch gut gefunden, wenn sie mich einfach nur festgemacht und ausgepeitscht hätte. Stattdessen suchte sie das Gespräch, ich erzählte von dem Katzen-Gedöns, sie griff es kreativ auf und … tadaaaa … es war mehr als nur eine Flag-Session. Es war besser.

 

Das wäre ein guter cliffhänger, um den Bericht enden zu lassen, aber dann würde der Bericht eher aus Beschreibungen meiner Person bestehen. Um dem Titel des Themas gerecht zu werden, möchte ich noch auf einige Spezifika von Velvet eingehen, die sie für mich nicht als Einzelleistung aber in ihrer Gesamtheit wirklich zu einer Persönlichkeit machen.

 

Ich mag nicht nur die Art, wie Velvet die Sessions aufbaut, sondern auch ihr handwerkliches Können. Bondage und Shibary langweilen mich eher, aber in unser zweiten Session knotete sie emsig vor sich hin und schuf eine kunstvolle Verbindung aus Seil und meinem Haar. Ich fand es zwar nicht so toll, aber ansprechend. Positiv nahm ich auch wahr, dass sich Velvet in der Session die Zeit nahm, das gedimmte Licht aufzuhellen, um präziser schlagen zu können. Das klingt jetzt nach einer Kleinigkeit, aber ein beschissener Schlag kann eine gute Session ruinieren. Ist jedenfalls meine Meinung. Was mich aber besonders reizt, ist die Tatsache, dass Lady Velvet Steel Grenzen überschreitet. Natürlich keine hard limits, aber sie erspürt die empfindlichen Punkte, nähert sich an und überwindet sie.

 

Velvet Steel kann ich jedenfalls uneingeschränkt für Damen sowie Flag-Freunde aller Geschlechter sowie passionierte Rollenspieler empfehlen.

 

Liebe Grüße

Katze

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