Waldtier

Als queere Person ärgere ich mich über die Begrenzungen meiner Sozialisation. Für mich ist BDSM ein Weg in mir zu wachsen, ruhiger zu werden, zu spüren, dass das, was in mir ist, viel mehr ist, als ich bräuchte, um glücklich zu sein: mich aus vertrautem Gelände herauswagen, Flügel ausbreiten, durch Wände gehen, das Geraubte zurückholen, mich zu entscheiden, trotz allem bei mir und im Kontakt sein zu wollen.
So bin ich dankbar über diesen einzigartigen und prickenden Match zwischen dem, wohin es mich in meinem sexuellen Explorationsbedürfnis zieht und den beeindruckenden Kompetenzen von Lady Velvet Steel. Die sessions mit ihr sind für mich Stationen einer Reise in mich. Sie ist eine phantastische Reiseplanerin und Reisebegleiterin.
Mir gefällt, wie präsent sie ist, wie gut sie reinspürt, wie sie den Dialog so baut, dass ich das Empfinden habe, durch die sessions Stufe für Stufe voranzukommen. Ich mag es, wenn sie dreckig lacht und Befehle gibt, mich herausfordert, es wagt, an meine Grenzen zu gehen und genau dort so lange bleibt, bis ich mich entscheiden kann, weiter zu gehen oder aufzugeben. Mir gefällt auch, wie respektvoll sie mit meinem Körper umgeht. Ich werde – weil ich das nicht will – nicht in irgendeine für mich unpassende Genderrolle gesteckt. Sie bewegt sich mit dem, was sie tut, so über meinen Körper, dass ich nicht um meine Genderidentität ringen muss – darauf hätte ich nämlich keine Lust in einer session. Mit allem anderen in mir ringe ich gern.
Für mich ist es wichtig, über die sessions mit meinem Gegenüber zu sprechen, um mich vorzubereiten und zu integrieren, was ich gemacht habe. So war ich, nachdem ich mich endlich zum ersten Termin getraut hatte, beeindruckt, wie präzise Lady Velvet Steel zugehört, nachgefragt und sich Gedanken gemacht hat, während ich mich in das, was ich wollte, vortastete. Sie kommuniziert sehr klar und ich kann mich daran halten.
Das, was ich teile von meinem submissiven Begehren, wird ein Baustein der session, den sie nutzt, um mit ihrem ziemlich beeindruckenden Repertoire ein Gesamtkunstwerk draus zu machen. Es gibt so viele Momente in den sessions, in denen ich mich treffsicher gelesen fühle in dem, was für mich spannend, lustvoll, herausfordernd ist, wieviel und wofür ich gerade kämpfen mag und wann ich nicht mehr kann. Sie choreografiert die Interaktion verdammt gekonnt, schlägt, knotet, ringt, schleift, fixiert, steuert, fokussiert, stößt mich, bringt mich zum Schreien, zum Herauswinden und Gleichzeitig-dableiben-wollen … Für mich ist es wie ein Tanz, den ich selbst noch nicht gut beherrsche, von dem ich aber weiss: wenn mein Gegenüber richtig gut führt, dann können wir tanzen. Hinterher merke ich, dass ich mich verändert habe und staune darüber.
Das Leben ist zu kurz, um nicht alles zu versuchen, jeden Tag ein Stück lebendiger zu werden, sich aus vertrautem Gelände herauszuwagen, den inneren Raum zu vergrößern. Zu spüren, dass alle Gefühle etwas Wichtiges zu sagen haben, den Blick erweitern, auch und gerade diejenigen, die ich sonst gern wegstoßen würde: Angst, Wut, Scham, Trauer, Schmerz … . Alle diese Gefühle waren da in den sessions mit ihr, haben sich darin bewegt und durften danach gewandelt bleiben. Danke.
Ein Waldtier.

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